2008

Fritz Pauer
(piano)


Passend zum 60. Geburtstag wurde dem Pianisten Fritz Pauer im Jahr 2003 das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich verliehen; im gleichen Jahr wurde er auch für den Hans Koller Preis nominiert. Dass er dieses Jahr den Staatspreis für Improvisierte Musik erhält, ist nicht nur für ihn, sondern für den österreichischen Jazz schlechthin eine Ehre. Nach Hans Koller, Joe Zawinul und Michael Mantler, wird ein Musiker ausgezeichnet, der wesentliche Entwicklungsschritte des österreichischen Jazz begleitet hat. So spielte er bereits als Siebzehnjähriger mit einer der Vätergestalten des österreichischen Jazz, mit Fatty George, jammte in „Fatty’s Saloon“ mit Elvin Jones, Ray Brown oder Ella Fitzgerald. Praktisch erlebte er die Stilvielfalt des modernen Jazz von Jugendjahren an. Mehr noch: später, im Spiel mit dem legendären Art Farmer Quintetts, dem er 15 Jahre lang angehörte, als Pianist, Arrangeur und Komponist für die ORF BigBand, Leiter der Swiss Jazzschool in Bern (1982 - 1984) oder als Lehrer des Konservatoriums der Stadt Wien, stellt er dabei allemal seine besondere Fähigkeit unter Beweis, sein Spiel nicht nur dem jeweiligen stilistischen Anforderungen anzupassen, sondern vor allem als integrative Kraft im Hintergrund zu wirken. Musiker wie Johnny Griffin, Benny Golson, Eddie „Lockjaw“ Davis, Benny Carter, Harry „Sweets“ Edison, Attila Zoller, James Moody oder Herb Ellis - jeder für sich eine Insel auf der Landkarte der improvisierten Musik, die sich Jazz nennt - wussten sein Können zu schätzen, wenn sie in Wien aufspielten und nach einem passenden Pianisten fragten. So rührt die Weltgeltung, die sich der Jazz aus Wien erspielt hat, nicht zuletzt von Musikern wie Fritz Pauer her, die aus ihrer Freude an der Musik kein Hehl machen und in Wien Musikern aus aller Welt eine musikalische Heimat anbieten. Und dass Pauer dabei selbst wiederum immer wieder ein offenes Ohr für die Musiken dieser Welt hat, die er durch die Bekanntschaft mit Joe Zawinul besonders schätzen gelernt hat, macht ihm zu einem Preisträger, bei dem das Nehmen und Geben eine schöne Balance gefunden haben.

Laudatio v. mathias rüegg