2005

 

confessions
(Quinton)
Linda Sharrock

Jurybegründung:
Auf „confessions“ setzt Sharrocks Stimme neue Maßstäbe im Jazzgesang und zeigt, dass wahres Phrasieren ein Fühlen voraussetzt. Damit bietet Sharrock nicht nur ein rares Hörerlebnis sondern setzt auch ein Zeichen, dass der Jazz nicht nur eine Stilistik unter vielen ist, sondern dass seine Stärke vor allem darin liegt, dass hier Emotionalität und Lebensgefühl ihren musikalischen Ausdruck finden.
"confessions" ist Sharrocks erstes Album nach ihrer Zusammenarbeit mit Wolfgang Puschnig und der 2002 erschienenen CD "Chants“. Leise, aber nachdrücklich widmet sich Sharrock voller Hingabe der Song-Interpretation. Gleich zu Beginn lässt einen das Intro zu "Sometimes I Feel Like a Motherless Child“ verstummen. Die Lieder, deren Texte allesamt aus Sharrocks Feder stammen, drücken die ungestillte Sehnsucht eines Menschen aus, der tief und intensiv empfindet. Und es ist in diesem Fall kein Vergehen, sondern eine Notwendigkeit, die menschliche Komponente mit einzubeziehen.
Ihre französischen Mitmusiker, der Pianist Stephan Oliva und der Bassist Claude Tchamitchian schaffen für Sharrock einen Rahmen voller lyrischer Melodien und rhythmischer Andeutungen. Sharrocks subtiler, fordernder Sound gestattet eine Intimität fernab des Voyeurismus, wie sie sonst nur live zu erfahren ist. Es sind tatsächlich Seelen-Geständnisse, die hier festgehalten wurden. "confessions" ist ein kompromissloses Album, roh und berührend.